So – das ist also der (Nord-)Sudan?
Heute sind keine nackten Krieger oder Frauen mehr auf dem Markt zu sehen. Doch nicht weit von hier, unten an der Badestelle am Nil oder der Wäscherei, sieht man die Einheimischen noch ganz selbstverständlich ohne Hüllen heraumlaufen.
Die Strasse nimmt kein Ende. Wir fahren durch Sümpfe, der Schweiß läuft in Strömen an unseren Körpern hinab.
Unsere Mütter, Frauen und Freundinnen machen sich pausenlos Sorgen um uns. “Was esst ihr dort eigentlich?” fragen sie uns, erzählt lachend einer der Teilnehmer der 5. Etappe.
“Dabei muss man sich gerade deswegen keine Sorgen machen – die Verpflegung ist einer der interessantesten Aspekte beim Reisen. Im Sudan findet man selten Essbesteck, sogar Suppe wird oft mit den Händen gegessen. Wir haben bis jetzt kaum ein Essen gefunden, das uns NICHT geschmeckt hat.
Das nächste Essen schmeckt oft noch besser als das vorhergegangene. Einmal entdecken die vier Polen beim Blick in den Kochtopf – das ist hier der beste Weg, herauszufinden, was es wirklich gibt – ein Stueck Leber. Nach kurzer Zeit liegt es auf den Tellern der Vier.
„Kompliment!” sagt der Koch nach der Mahlzeit. „Die meisten Touristen trauen sich nicht, rohe Kamelleber zu kosten! Hat es euch geschmeckt?”
Es ist früher Morgen auf einem Boot. Ein Mann in einer Armeeuniform scheint überrascht zu sein, in vier weiße Gesichter zu blicken, als er in das Zelt schaut. Auf der roten Armbinde an seinem Arm steht: SPLA – Hafenpolizei (SPLA = Sudan Peoples Liberation Army = Süd Sudanesische Befreiungs Armee)
Das ist also der Süd-Sudan?! Die Grenze?!
Das Boot überquert den Fluss und landet am anderen Ufer. Wir sind im Dinka-Land. Für das Nomadenvolk der Dinka ist ihr Vieh der grösste Schatz – und ihre Lebensgrundlage.
Nowak schrieb:
Der Blick auf den Markt ist in der Tat einzigartig. Die Mehrheit der Krieger ist fast nackt, sie tragen nur einen spärlichen Lendeschurz. Die Frauen der Nuer tragen keinerlei Kleidung. Sogar wenn sie ins Dorf gehen erscheinen sie dort wie Gott sie schuf …”
Heute sind keine nackten Krieger oder Frauen mehr auf dem Markt zu sehen. Doch nicht weit von hier, an der Badestelle unten am Nil oder der Wäscherei, sieht man die Einheimischen noch ganz selbstverständlich ohne Hüllen heraumlaufen..
“Für uns ist es trotzdem ein kleiner Schock – insbesondere angesichts der Tatsache, dass wir noch vor zwei Tagen in der islamischen Welt waren!” erzält Kuba Pajak.
“Sag’ nein zu Waffen bei den Wahlen und dem Referendum 2011!” liest man auf den Plakaten am Strassenrand. Die Wahlen stehen kurz vor der Tür. Es gibt hier allerding kaum jemand, der mit Wahlen oder gar Demokratie etwas anfangen könnte. Einigen Gruppen ist ein Gewaltverzicht im Rahmen von Wahlen und Wahlkämpfen eher egal. Der derzeitge Präsident des Sudan, Omar Al-Bashir und die Regierung in Khartoum werden unter anderem beschuldigt, ethnische Konflikte im Süd-Sudan anzufachen, da sie die letzte Wahlniederlage im Süden nicht verwunden haben.
Wir fahren weiter in Richtung Sudd – und befinden uns in einer der sumpfigsten Gebiete des Sudan. Nowak erinnerte sich daran wie folgt:
“Es gibt hier nichts interessantes für den (westlichen) Reisenden zu entdecken – außer schwarzes Fieber, Malaria und Lepra.”
“Es gibt Tage, da treffen wir keine Menschenseele!” Nowak schreibt:
“Stell dir vor, Männer und Frauen – mit Ausnahme der Verheirateten – sind fast vollkommen nackt. Vielleicht tragen die nicht verheiratete Frauen noch einen kleinen Lendenschurz, die verheirateten ein Stück Tierhaut, um sich zu bedecken.”
Heute ist diese Gegend nicht mehr ganz menschenleer. Doch sobald man den Sumpf betritt ist es wie zu Nowaks Zeiten: Leere soweit das Auge reicht.
Das leben auf dem Boot ist ruhig – aber nicht langweilig. Der Handel zwischen Boot und Ufer ist besonders spannend. Sobald wir uns einem Dorf nähern, hört man z.B. ein lautes “Zwiebeln! Zwiebeln!”. Die Passagier rufen dann zurueck “Mais! Mais! – Wirf es!” – und schon wechseln die Waren fliegend ihren Besitzer.
Die Trockenzeit geht ihrem Ende entgegen. Die Dinka kommen langsam am Ufer des Flusses an. Ihre Hütte sind noch unfertig – die Dächer sind noch nicht mit jenem typischen Mix aus Ton und Kuhdung gedeckt. Nowak beschrieb den Dung und Urin von Kühen als “beste Kosmetik”. Einige der hiesigen Stämme behandeln ihre Haare mit Kuh-Urin, um sie gelb-rot einzufärben.
“Wenn wir nur eine Strasse erreichen würden … aber der Süd-Sudan ist sprichwörtlich ein wildes Land. Keine Strassen, Handel oder Industrie. Um uns herum regieren Zuckerrohr-Felder – oder endlose Steppe. Und noch immer sind wir zögerlich, die Strasse zu verlassen, da hier zahllose Minen im Boden liegen.
Um in Form zu bleiben, trainieren die vier Polen auf dem Schiff – Runde um Runde auf einem leeren Deck.
Die letzten 100 km nach Bor legen sie in drei Tagen zurück.
Der nächste Registrierungsstempel nimmt schon die fuenfte Seite in den Pässen ein.
Nowak schrieb:
“Am Nachmittag rasteten wir in einer Dinka-Siedlung in der Nähe von Bor. Ich lief viel herum – und machte doch kein einziges Bild. entweder fand ich kein geeignetes Motiv oder die Einheimischen verlangten Geld fuer ein Bild, also ließ ich es sein.”
“Geld für ein Bild. Auch wir konnten dieses “Phänomen” beobachten – 80 Jahre nach Nowak – meist jedoch in den stark von Touristen frequentierten Gebieten. 1932 war in Bor eine Eisenbahnhaltestelle auf der Route Kairo-Kapstadt. Heute allerdings erinnert sich kaum noch jemand an diese Touristen. Letztere meiden heute dieses von 20 Jahren Bürgerkrieg verwüstete Gebiet.
In der Nacht fällt der erste Regen seit Monaten. Er läutet die Regenzeit ein – und über Nacht verwandeln sich die Straßen in einen Schlamm-Ozean.
Wir sind immer noch in Bor, verbringen unsere Zeit damit, durch die Stadt zu spazieren. Auch hier ist es besser, die Strassen nicht zu verlassen. Nicht etwa wegen wilden Tieren sondern wegen der Minen, die nur auf “den falschen Schritt” warten.
“Doch die Neugier siegt – und so entscheiden wir uns, ein Dorf zu besuchen, in welchem die meisten Bwohner an Lepra erkrankt sind. Wir verlassen die Haupststrasse und folgem einem Trampelpfad in den Busch. Wir hofften, das diejenigen, die diesen Pfad angelegt hatten, wussten, was sie taten!” erzählt Kuba.
“Als wir im Dorf ankammen, wurden wir von merkwürdigen Wesen begrüßt, die aus den Häusern kamen. Was um alles in der Welt machen wir hier? Doch als wir das Dorf wieder verliessen, hatten wir doch den Eindruck, dass unser Besuch ein wenig Abwechslung in das Leben der Bewohner gebracht hatte. Und auch wenn wir diesen Menschen nicht helfen konnten, so schien unsere Anwesenheit doch dankbar angenommen zu worden sein.”
Die nächste Etappe führte von Born nach Juba – der Hauptstadt des Süd-Sudan. So wie Nowak vor 80 Jahren reisten seine “Schüler” auf einem Boot stromaufwärts auf dem weißen Nil.
Am Palmsonntag, auf den Stufen der Kirche des Heiligen Joseph, hängten wir eine weitere Gedenkplatte für K.Nowak auf. Hier hatte er 1932 Pause gemacht.
Vor 80 Jahren stellten wilde Tiere noch eine Bedrohung für Nowak dar. Eines Nachts musste er sich gar gegen einen Löwen verteidigen.
Der Bürgerkrieg ließ allerdings nur wenig Tiere übrig. Heute müssen wir keine Löwen fürchten, Elephanten auf der Strasse den Vortritt lassen oder Giraffen beim Grasen zusehen. Das einizge Tier, dass wir zu sehen bekamen, landete auf unseren Tellern – es gab Antelope.
“Der unbekannteste Teil unserer Route durch den Sudan waren die Imatong-Berge von Torit nach Nimule nahe der Ugandischen Grenze. Es ist wahscheinlich, das noch nie Touristen bis hierher vorgestossen sind – aufgrund des Bürgerkrieges.” sagt uns einer der Teilnehmer.
Der Temple, den Nowak hier einst besichtigte, existiert nicht mehr. Einzig eine “Mauer”, bestehend aus drei Steinen, erinnert noch an ihn. Heute beten die Gläubigen in einer improvisierten Kapelle neben der zerstörten Kirche unter freiem Himmel.
Nach zwei Monaten geht unser sudanesisches Abenteuer langsam zu Ende. Da die nächste Gruppe etwas später als geplant in Uganda ankommen wird, fahren wir noch etwas weiter. Wir werden in die Rwenzori-Berge fahren. Dies wird Etappe Nummer 5 ½ – wir nennen sie “Bananarama”.
Die Querung des Victoria-Nils – das Interesanteste ist das Flussleben
“Schon in den ersten 5 Minuten sehen wir mehr Nilpferde und Krokodile als während der gesamten 3 Wochen am Weißen Nil im Süd-Sudan. Wir sehen Elefanten, Antilopen, Büffel und Warzenschweine, die sich an einem Wasserloch sammeln, Affen die von Felsvorsprüngen springen and zahllose Vögel. Einige Tiere besuchen uns auch auf dem Zeltplatz – so wie die neugierige Warzenschwein-Familie und manchmal ein Nilpferd.
17. April 2010: Wir erreichen den Äquator in Uganda, südlich der Stadt Kasese. Wir übergeben den Staffelstab an Janusz Adamski, der die nächste 6. Etappe anführen wird …
si, jadą z nimi:)
A relacja wypas!
Kuba
Co się z Agą i Filipem dzieje? Czy oni jadą z Wami czy bez Was?